Multimedia Publishing: Die Zukunft ist Alltag
Die Revolution der Informationsvermittlung steht nur scheinbar vor der Tür. In Wirklichkeit ist sie seit einigen Jahren Alltag in den Technischen Redaktionen. In der Umfrage zur aktuellen Auflage der tekom-CMS-Studie wurden die Anforderungen an Publikationen erfragt. Die Teilnehmer nannten insgesamt 13 verschiedene Ausgabeformate – von PDF über CD-Anwendungen, Online-, HTML- und Webhilfen bis hin zu Höranleitungen, Multimedia-Dokumentationen und Apps. Im Schnitt erstellt jede der befragen Redaktionen Publikationen in drei verschiedenen Ausgabeformaten.
Multimedia Publishing besteht aus vier Elementen
Das Multimedia Publishing unterscheidet sich nicht nur den wohlklingenden englischen Namen von der gedruckten Dokumentation. Multimedia Publishing setzt sich aus vier Bestandteilen zusammen:
- Es besteht aus mehreren Medien (Text, Grafik, Animation, Audio, Video …), die unterschiedliche Sinne ansprechen: Sehen, Hören und Anfassen (beispielsweise über Touchscreens).
- Multimedia-Anleitungen sind digital und können elektronisch offline und online verbreitet werden. Dafür werden Konzepte für die Verteilung, Zugriffsmöglichkeiten und -beschränkungen sowie die Aktualisierung der Publikationen benötigt.
- Gedruckte Anleitungen gehören in die Welt der linear genutzten Dokumente. Multimedia Publishing setzt auf intuitive Navigation, die multilinear genutzt wird. Solche Anleitungen eröffnen individuelle Nutzungswege, die allein vom Informationsbedürfnis des Anwenders bestimmt werden.
- Mit Interaktivität wird aus der Einbahnstraße der Kommunikation vom Redakteur zum Anwender ein Dialog: vermitteltes Wissen kann abgefragt werden, die Informationsvermittlung kann über Werte oder Eingaben gesteuert werden oder direkte Kommunikation in Form von Anmerkungen, Fragen oder eigenen Lösungsmöglichkeiten ist möglich.
Es gelten die Grundsätze für Publikationen
Bei aller Mobilität und Modernität darf man die Grundsätze für Erstellung und Publikation von Technischer Dokumentation nicht vergessen, die auch für Multimedia Publishing gelten. Für jede Anleitung gilt es zu klären, wer das jeweilige Zielpublikum ist und den Detaillierungsgrad dem Vorwissen und Aufgabenbereich anzupassen. Das Informationsbedürfnis des Anwenders in der Situation, in der er sich befindet, entscheidet über die enthaltenen Inhalte und Ausgabeformat; neue Ausgabeformate und Möglichkeiten dürfen nicht zum Selbstzweck werden, die vom Marketing bestimmt werden.
Ausgabeformate
Die Ausgabeoptionen für Technische Dokumentation sind bereits sehr umfangreich und entwickeln sich laufend weiter. Sie reichen von eher linearen, textzentrierten eBook-Anleitungen bis hin zur Welt der Apps. Die Grafik zeigt eine mögliche strukturelle Einordnung von Inhalten, Formaten und Endgeräten, die sicherlich nicht vollständig sein kann.
Lineare elektronische Dokumente
eBooks sind zwar modern und mobil, gehören aber in die Welt der linearen, textzentrierten Dokumente. Sie bieten allerdings zusätzliche Möglichkeiten: eReader sind relativ günstig im Einkauf und daher eine Alternative zur Auslieferung von gedruckten Anleitungen. Weitere Vorteile sind der geringere Stromverbrauch, der längere Laufzeiten ermöglicht – verglichen mit Tablets –, individuelle Layoutanpassungen des Anwenders, Such- und Nachschlagefunktionen sowie Speichermöglichkeit für Notizen und Anmerkungen.
Hilfe dort, wo der Anwender sie sucht
Eine besonders interessante und wichtige Form der Vermittlung von Informationen ist bereits mit dem „klassischen HTML“ (bis Version 4) umsetzbar: die kontextsensitive Hilfe in einer Software, auf Monitoren oder in Steuerungsoberflächen/SPS. Fast jede Maschine oder Anlage und viele Geräte werden mit Displays oder Monitoren ausgestattet – die Hilfe aber gedruckt in Ordnern geliefert. Kontextsensitive Hilfe bedeutet, der Anwender findet Informationen oder Anleitungen direkt dort, wo er sie braucht, in dem jeweiligen Fenster oder bei dem entsprechenden Element einer Software- oder Steuerungsoberfläche.
Die nächste Generation: HTML5
Für viele Einsatzbereiche wird HTML5 zum nächsten Standard für multimediale Inhalte und mobile Dokumentation. Die Flash-Technologie, die bisher für interaktive und zeitlich-gesteuerte Animationen und Inhalte eingesetzt wurde, ist für die wichtigsten Endgeräte nur eingeschränkt beziehungsweise gar nicht verfügbar: Smartphones, Tablets, Handy & Co. Die Funktionen von HTML5 (siehe auch HTML5 für die Technische Dokumentation) mit neuen Elementen – auch Multimedia – mit erweiterten Schnittstellen und neuen technischen Möglichkeiten für Navigation und Offline-Anwendung schaffen die Grundlage für die Umsetzung von multimedialen Anwendungen. Damit verbunden sind neue didaktische Konzepte für die Wissensvermittlung wie eLearning, interaktive Handlungsanleitungen wie Utility Film oder neue Darstellungsmöglichkeiten und Funktionalitäten für elektronische Ersatzteilkatalog oder erweiterte Online-Hilfen bis hin zu hybriden oder Web Apps. Besonders die Möglichkeiten des Responsive Designs mit CSS3– also einem Layout, das sich automatisch an die Größe des Displays des jeweiligen Wiedergabegerätes anpasst – lässt erwarten, dass die mobile Dokumentation in Zukunft auf HTML5 aufsetzen wird.
Die Spezifikation von HTML5 ist derzeit im Entwicklungsstatus; deswegen unterstützen noch nicht alle Browser alle Funktionen (eine Übersicht finden Sie unter anderem hier). Die endgültige Spezifikation von HTML5 ist für Mitte 2014 angekündigt.
Basis aller Inhalte für neue Ausgabeformate
Besonders wichtig für die zukünftige Entwicklung der Inhalte für Multimedia Publishing sind Ablage und Verwaltung der Inhalte. Je mehr Inhalte und Formatierungen getrennt werden desto besser: Ablage von Inhalten im Format XML ist sehr gut geeignet, um diese für alle Ausgabeformate verwenden zu können. Die Modularisierung der Inhalte ermöglicht Wiederverwendung und individualisierte Projektzusammenstellungen für alle Medien und Anwendergruppen.
Eine entsprechende Single Source Publishing-Umgebung, die auch die Verwaltung multimedialer Inhalte ermöglicht, ist eine gute Grundlage für neue Herausforderungen und weitere Entwicklungsmöglichkeiten.
Bei weiteren Fragen schicken Sie eine E-Mail an: markus.drenckhan[at]text-it.at
Stand: 06/2014
