Gemeinsam zur erfolgreichen Übersetzung
Ihre Mithilfe ist gefragt · Organisatorische Rahmenbedingungen klären
Die Suche nach dem richtigen Übersetzer fängt im Unternehmen an! Allerdings geht es nicht darum, sprachliche Ressourcen aufzuspüren, sondern organisatorische Rahmenbedingungen abzuklopfen.
- Textsorte: Welche Dokumente/Unterlagen müssen übersetzt werden?
Angebote, Verträge, Spezifikationen, Lasten-/Pflichtenhefte, Marketingunterlagen, Operation Panel Texte/Displaytexte, Fehlermeldungen, Schildertexte, Risikobeurteilungen, Bedienungs- und Betriebsanleitungen, Benutzerhandbücher, Montageanleitungen, Servicehandbücher, Wartungsanleitungen, Konformitäts- und Einbauerklärungen, Stücklisten, Ersatzteillisten, Zeichnungen, Stromlaufpläne, Zulieferdokumentationen, Abnahmeprotokolle, Berichte (Testberichte, Schadensberichte, …) und sonstige Unterlagen: Allgemeine Geschäftsbedingungen, Baustellenordnungen, Zertifikate, Arbeitssicherheitsunterlagen, Arbeitsanweisungen, Datenblätter, Website-Inhalte, Texte für Image- und Wartungsfilme, beglaubigte Übersetzungen, Mitarbeiterzeitungen, Newsletter bis hin zum Einsatz von Dolmetschern bei Verhandlungen …
Tipp: Erklären Sie Ihrem Übersetzungspartner firmeninterne Abläufe und zeitliche Abfolgen. Im Industrie- und Anlagenbau kann sich ein Projekt über Monate hinziehen, während im Consumer-Bereich regelmäßig Updates und abgestimmte Marketingaktionen erfolgen. Für die konsistente Übersetzung über das gesamte Projekt hinweg ist der Zusammenhang wichtig. Diesen Bezug können Sie leicht herstellen, indem Sie die Auftrags- oder Projektnummer im Betreff der Anfrage anführen.
Tipp: Die Textsorte hat Einfluss darauf, ob Sie die Übersetzung Korrektur lesen lassen. Es macht nicht viel Sinn eine lange Excel-Liste mit Operation Panel-Texten ohne Kontext durch einen zweiten Übersetzer prüfen zu lassen. Das Korrekturlesen dieser Texte ist im Kontext (beispielsweise als Screenshot) sicher zielführender.
- Textmenge: Wie viele Worte/Zeichen/Seiten werden übersetzt?
Das Textvolumen hat Einfluss auf die Lieferzeit (und den Preis). Optimieren Sie Ihren Workflow, indem Sie Übersetzungen rechtzeitig in Auftrag geben und Expresszuschläge für Eilaufträge vermeiden. Als Faustregel gilt, dass ein Übersetzer etwa 1.500 bis 2.500 (Neu-)Worte oder 8 bis 10 Seiten pro Tag schafft – je nach Komplexität des Textes und Fachgebietes.
Tipp: Die (regelmäßige) Textmenge kann das Aushandeln von vorteilhaften Rahmenverträgen oder projektspezifischen Mengenrabatten positiv beeinflussen. Fragen Sie nach!
- Zielsprache: In welche Sprache wird übersetzt?
Stellen Sie eine Übersicht Ihrer Zielsprachen inklusive notwendiger Länderversionen auf – und zwar mit Gewichtung von häufig bis selten. Unter Umständen müssen für dominierende Sprachrichtungen mehrere Übersetzer tätig werden. Interne Workflows können es notwendig machen, dass Übersetzungen in bestimmte Zielsprachen früher gestartet werden müssen – z.B. weil Freigabeprozesse durch lokale Niederlassungen anschließen.
Tipp: Je nach Sprachkombination kann der Einsatz einer „Relaissprache“ (= Übersetzung in eine Sprache, die als Basis für weitere Übersetzungen dient) sinnvoll sein. Bei der Übersetzung ins Chinesische hat man eher die Chance, einen passenden Übersetzer für ein spezifisches Fachgebiet zu finden, wenn man vom Englischen ausgeht.
Tipp: Sprachen können in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten. Denken Sie etwa an „das Deutsche“ – ganz einfach oder? In Brasilien wird man sich über eine brasilianisch-portugiesische Übersetzung freuen. Oft wird „neutrales“ Englisch gefordert, doch wie setzt man das in der Praxis um? Für welche Schreibweise/welches Wording entscheidet man sich? Hier liegt die Entscheidung an Ihnen: Möchten Sie alle Kunden mitnehmen, dann werden Sie nicht umhin kommen, Sprachvarietäten zu berücksichtigen.
- Liefertermin: Wann wird die Übersetzung benötigt?
Ziehen Sie bei Ihrer Planung den Übersetzungspartner mit ein! So können Ressourcen freigehalten und die Übersetzung pünktlich geliefert werden.
Tipp: Berücksichtigen Sie lokale Feiertage des Ziellandes. Rund um Thanksgiving kann eine dringende Übersetzung ins amerikanische Englisch zur Challenge werden. Chinese New Year ist immer zwischen Ende Jänner und Ende Februar angesiedelt und dauert 7 Tage.
Tipp: Bei zeitkritischen Projekten (z.B. Schadensberichten, Last Minute-Projekten) kann es vorkommen, dass mehrere Übersetzer an einem Text arbeiten müssen. Hier ist der Einsatz von Translation Memory Systemen mit laufendem Austausch der Translation Memories sehr wichtig, um zumindest ein Mindestmaß an Einheitlichkeit zu gewährleisten. Dennoch kann die Qualität der Übersetzung leiden. Wenn die Option besteht, die Übersetzung in Teillieferungen nach Prioritäten von einem Übersetzer anzufertigen, ist dies sicher der bessere Weg.
- Terminologie: Wie wichtig ist das Wording?
Konsistenz auf Wortebene ist nur mit Terminologiearbeit zu schaffen. Diese kostet Zeit und Geld. Eine Kombination, die viele Unternehmen davor zurückschrecken lässt, ihre Synonymvielfalt in den Griff zu bekommen. Wenn Sie sich für Terminologiearbeit entscheiden, ist die Zusammenarbeit und Kommunikation mit dem Sprachdienstleister äußerst wichtig.
Tipp: Mit definierter Terminologie erspart sich der Übersetzer viel Rechercheaufwand und die „richtige“ Übersetzung kann automatisiert überprüft werden. Schicken Sie vorhandene Terminologie (und Schreibregeln) auf jeden Fall mit!
Tipp: Denken Sie daran, Terminologiearbeit beginnt schon im Ausgangstext. Hier lautet die Devise: Entscheiden Sie sich für einen Begriff (und eine Schreibweise) und ziehen Sie das durch! Besser mit Suchlauf einen nicht mehr erwünschten Begriff suchen und ersetzen als eine unbestimmte Synonymvielfalt auf einen Nenner zu bringen.
- Ansprechpartner: Sind Sie bereit für Rückfragen?
Viele Hersteller werben damit, dass ihr Produkt einfach und intuitiv zu bedienen ist. Dennoch werden – und zwar auch verstärkt im Softwarebereich – umfangreiche Anleitungen verfasst. Diese sind natürlich auch selbsterklärend, oder?
Tipp: Betrachten Sie den Übersetzungspartner als Beta-Leser. Rückfragen zeugen davon, dass Ihr Text nicht eindeutig ist. Sehen Sie Rückfragen als Chance zur Verbesserung und motivieren Sie den Übersetzer, Fragen zu stellen. Klären Sie schon bei Projektstart die Ansprechpartner für Rückfragen, sonst kann es zu Verzögerungen kommen.
- Zielpublikum und Verwendungszweck: Wer wird angesprochen und zu welchem Zweck dient die Übersetzung?
Auch wenn Sie den Ausgangstext zielgruppengerecht verfasst haben, informieren Sie den Übersetzer kurz über Zielgruppe und Verwendungsweck. Dies ist für das Gelingen und Funktionieren des Textes im Zielland wichtig.
Tipp: Texte, die sich an fachlich nicht versierte Personen richten, sollen möglichst einfach sein und ohne unbekannte Fachwörter/Fremdwörter und lange Schachtelsätze auskommen. Hier soll der Übersetzer sein Fachwissen nicht zur Schau stellen, sondern sich für eine einfache und schnell verständliche Übersetzung entscheiden.
Tipp: Wenn die Übersetzung in erster Linie dazu dient, sich einen Überblick zu verschaffen – z.B. bei Ausschreibungen – ist es unter Umständen nicht notwendig, an der Übersetzung zu feilen. Wichtig sind die Eckpunkte für die Angebotslegung richtig zu übertragen.
Tipp: Bei Texten einer Softwareoberfläche kann es wichtig sein, dass der Übersetzer die Feldlänge einhält und eine dementsprechende Übersetzung oder Abkürzung wählt. Machen Sie es sich aber nicht zu einfach. Oft erhält der Übersetzer die lapidare Anweisung, der Zieltext dürfe nicht länger als der Ausgangstext sein, obwohl mehr Platz vorhanden wäre. Falls nicht anders lösbar, ist eine zweite Anpassung nach Rückspielen in die Software möglich – sehr zur Freude Ihrer Nutzer.
- Layout und Ausgabemedium: Welche Anforderungen gibt es an das Layout?
Das Layout nimmt für eine anwenderfreundliche Dokumentation einen hohen Stellenwert ein. Dementsprechend legen Redakteure großen Wert darauf. Die Folge sind bisweilen knifflige und komplexe Ausgangsdateien, die bei der Übersetzung mit Translation Memory Programmen Fallen und Tücken bereithalten. Über dieses komplexe Thema mehr in unserem nächsten Newsletter!
Tipp: Der wahrscheinlich wichtigste Tipp in punkto Layout ist: In der Einfachheit liegt die Würze. Je simpler das Layout gewählt ist, desto leichter findet man jemanden, der es nachbearbeiten kann (z.B. aufgrund von Längenunterschieden der Sprachen). Die automatisierte Übersetzung mit Translation Memory Programmen klappt reibungslos und die Übersetzung kann schnell angefertigt werden.
Tipp: Wenn Sie das Feinlayout an den Übersetzungspartner auslagern, schicken Sie alle notwendigen Vorgaben an das Layout mit – angefangen bei Fonts und Grafiken bis hin zu Informationen zum Einrichten der Druckdatei oder Erstellen der digitalen Ausgabe.
- Referenzmaterial: Welche Unterlagen sind für die Übersetzung hilfreich?
Erfahrene Redakteure nutzen bewährte Quellen, indem sie auf vorhandene Texte zurückgreifen und diese nach den Projekt-Erfordernissen abändern (sofern sie nicht ohnehin ein Redaktionssystem verwenden). Auch der Übersetzer ist letztendlich ein Autor und hat es erheblich leichter, wenn er auf Referenzmaterial zurückgreifen kann.
Tipp: Schicken Sie übersetzungsrelevante Unterlagen mit – Marketingunterlagen, Vorgängerprojekte, Schreibregeln … Aber denken Sie daran, dass der Übersetzer zum Übersetzen ausgebildet ist und nicht für Copy&Paste-Arbeiten. Daher kann es vorkommen, dass er dennoch eine abweichende Übersetzung wählt. Möchten Sie, dass er sich an das Referenzmaterial hält, weisen Sie explizit darauf hin und kalkulieren Sie ein, dass der Übersetzer Extra-Stunden in Rechnung stellt.
- Korrekturlesen: Ist Korrekturlesen notwendig oder verderben viele Köche den Brei?
Sie kennen das sicher: Wie oft haben Sie über Ihren Text gelesen und die Korrekturhilfe angewendet – kaum drücken Sie Ihr Werk einem Kollegen in die Hand, kommt der mit Korrekturen zurück. Genau so geht es dem Übersetzer. Daher ist Korrekturlesen eine sinnvolle und notwendige QA-Maßnahme.
Tipp: Wie wir schon an anderer Stelle angeführt haben, gibt es Texte, bei denen Korrekturlesen wenig Sinn macht bzw. nicht notwendig ist (z.B. Oberflächen-Texte ohne Kontext, Ausschreibungstexte, bei denen lediglich die Fakten eine Rolle spielen). Wägen Sie Kosten-Nutzen genau ab.
Tipp: Ziehen Sie unternehmensinterne Ressourcen in Ihre Planung ein: Vertreter und Niederlassungen, die das Produkt vor Ort verkaufen, kennen Produkt und Wording und können das Korrekturlesen übernehmen. Damit können Nachteile verbunden sein, wenn sprachlich weniger geschulte Personen ihre Kompetenzen überschätzen.
Den geeigneten Übersetzungspartner finden
Wenn Sie die organisatorischen Eckpunkte geklärt haben, können Sie sich daran machen, den richtigen Übersetzungspartner für Ihre Anforderungen zu finden. Die zentrale Frage wird wahrscheinlich sein: Agentur oder Freelancer. Aber auch angestellte Übersetzer und Übersetzungen durch lokale Niederlassungen kommen infrage.
Anforderungen an den Übersetzungspartner
- Muttersprachler (Muttersprachenprinzip)
- Ausgebildeter Übersetzer
- Fachwissen und ständige Weiterbildung (Übersetzer und Projektleiter)
- 4-Augen-Prinzip (Korrekturlesen)
- Referenzen
- Leistungsspektrum (Terminologiemanagement, DTP-Services, Dolmetschen …)
- Ausstattung in Hard- und Software (Translation Memory Systeme, Layoutprogramme …)
- Qualitätssicherung (Korrekturlesen)
- Datensicherung (Vertraulichkeit)
- Liefertermine (Verlässlichkeit)
- Preis / Abrechnungsmodalität / Angebotslegung
- Probeübersetzung (nicht kostenlos!)
- Zertifizierung (ISO 17100)
Abrechnungsmodalitäten
- Zeilenpreis in Deutschland und Österreich (1 Zeile = 55 Zeichen inkl. Leerzeichen) (besonders bei Rechtsübersetzungen)
- Wortpreis (international / besonders bei Technischen Übersetzungen)
- Preis nach Ausgangssprache oder Zielsprache
(Expansionsfaktor für einzelne Sprachen beachten!) - Bei TM-Einsatz: Match-Raten abklären
- Kosten für Zusatzleistungen wie Terminologiemanagement, DTP, Revision, TM-Pflege
Das ist keine Garantie, dass der Text den persönlichen Geschmack genau trifft, aber ein sehr guter Anhaltspunkt dafür, dass er inhaltlich korrekt und fachlich richtig übersetzt wird. Außerdem ist es wichtig, ein komplettes Übersetzerteam zur Verfügung zu haben. Gerade dann, wenn es einmal hektisch wird oder ein Übersetzer krank wird. Denn Übersetzer sind schließlich auch nur Menschen.
Mit dem Sprachdienstleister zusammenarbeiten
Nachdem Sie geklärt haben, wer Ihr Übersetzungspartner sein soll, geht es in Media Res. Die Zusammenarbeit startet! Für eine langfristige Partnerschaft und zufriedenstellende Ergebnisse sind Sie laufend gefordert.
Notwendige Unterlagen
- Ausgangsdateien (bearbeitbar!)
- Referenzmaterial
- Translation Memory (Projektpaket)
- Termbank, Glossar
- Style Guides, Hinweise für den Übersetzer
Notwendige Informationen
- Sprachkombination (Ausgangs- und Zielsprache(n)!)
- Angaben, welche Texte zu übersetzen sind
- Liefertermin (ev. Teillieferungen gegliedert nach Prioritäten)
- Gewünschtes Zielformat
- Ansprechpartner für Rückfragen
- Zusatzinformationen (Lektorat, Lokalisierung, DTP …)
- Zielpublikum
- Stilistische Vorgaben
Kommunikation mit dem Übersetzungspartner!
Gern stellen wir Ihnen unsere Checkliste zur Verfügung. Fragen Sie einfach an. kontakt[at]text-it.at
Betreff: Checkliste für Übersetzungsaufträge
- Gesprächsklima fördern
- Offen für Rückfragen sein
- Mit Kritik umgehen können (beidseitig!)
- Vorsicht bei Allgemeinplätzen:
„Diese Übersetzung ist schlecht“ (I can self English) - Feedback zur Übersetzung geben
- Korrekturen weiterleiten
Stand: 2015